Landesverband der Lebensmittelkontrolleure Thüringen e. V.

2013 - Ilmkreis - Neustadt / Rennsteig



 

Fortbildungsveranstaltung und Jahrestagung des Landesverbandes Thüringen 
in Neustadt/Rennsteig 

Der praxisbezogene Auftakt der diesjährigen Fortbildungstagung für die Thüringer Lebensmittelkontrolleure (LMK) begann im Unternehmen "Wiegand Glas GmbH".
Im Betriebsteil "Neue Glaswerke Großbreitenbach GmbH & Co. KG begrüßte unsere 
Vorstandsvorsitzende Martina Pfeifer alle Teilnehmer.

Matthias Raab, Technischer Leiter am Standort Großbreitenbach hieß die Anwesenden im Unternehmen herzlich willkommen und stellte die einzelnen Verantwortlichen vor.
Einen Einblick in die Historie des Betriebes, den Produktionsumfang sowie das Sortiment vermittelte der Betriebsleiter Jens-Uwe Skurt. So kann die Firma auf eine mehr als 400-jährige Tradition zurückblicken. Im Jahre 1570 wurde bereits mit der Glasproduktion durch Niclas Wiegand in der Rhön begonnen. 1906 wurde Otto Wiegand dann Inhaber von 6 Werken mit zentraler Verwaltung 
in Großbreitenbach.
Nach erfolgter Enteignung aller Werke außer Steinbach am Wald im Jahre 1945 erfolgte dann 1990 die Übernahme der VEB Glaswerke Großbreitenbach und 1997 die Gründung der "PET-Verpackungen GmbH Deutschland". 

Im Glaswerk Großbreitenbach werden auf 8 Anlagen bis ca. 1 Mio. Flaschen täglich produziert, hauptsächlich Weinflaschen in den verschiedensten Formen und Spirituosenflaschen.
Auf unserem Rundgang durch die einzelnen Abteilungen des Glaswerkes erfuhren wir interessante Einzelheiten über den technologischen Herstellungsprozess des Unternehmens. Art und Umfang vielfältiger Qualitätskontrollen, wie beispielsweise das Durchleuchten zur Erkennung von Flaschenfehlern konnten bei der Besichtigung nachvollziehbar betrachtet werden. Interessant war, dass die Chargenkennzeichnung am Flaschenhals sowie am Rand des Flaschenbodens angebracht wurde. Eine Rückverfolgbarkeit ist auch durch die Kennzeichnungen der einzelnen Paletten gegeben. Die hergestellten Flaschen werden regelmäßig chemisch untersucht. Es erfolgt eine wöchentliche Rohstoffkontrolle. 

Der zweite Teil unseres Rundgangs führte uns in den Betriebsteil "PET-Verpackungen GmbH Deutschland". Die Produktion wurde mittlerweile soweit ausgebaut, dass nahezu alle Preformen 
für 0,2 bis 5 Liter PET-Flaschen produziert werden, welche größtenteils in die Lebensmittelproduktion geliefert werden.
Pro Tag wird in Großbreitenbach ca. 170 Tonnen PET- Granulat verarbeitet. 
Hergestellt werden daraus ca. 7 Mio. Preformen und 1 Mio. PET-Flaschen pro Tag. 
Am Flaschenhals wird ebenfalls die entsprechende Kennzeichnung vorgenommen und danach die Verpackung in Gitterboxen mit Ident-Nummer zur Verfolgung des weiteren Transportweges bis zum Kunden versehen.
PET-Flaschen können im Einstufenverfahren oder im Zweistufenverfahren hergestellt werden. Im Einstufenverfahren erfolgt die Produktion direkt aus dem Granulat über die Herstellung der Preform bis zum Aufblasen der Flasche in einem Arbeitsgang.
Beim Zweistufenverfahren wird erst die Preform hergestellt, welche dann auf 90- 100°C aufgeheizt wird, in eine Streck- und Blasform gelangt, in welcher dann die Flasche erzeugt wird. Vom Betrieb werden regelmäßig gaschromatografische Untersuchungen durchgeführt sowie jährlich mikrobiologische Untersuchungen in Auftrag gegeben.
Die Konformitätserklärungen und die dazugehörenden Migrationsanalysen werden für jedes Erzeugnis erstellt und bei Materialänderungen oder Gesetzesänderungen erneuert.
Der Rundgang durch den Betrieb unter Führung kompetenter Mitarbeiter war für alle Lebensmittelkontrolleure sehr beeindruckend und interessant, was sich auch durch reges Nachfragen an das Betriebspersonal zeigte. 

Die offizielle Begrüßung der Thüringer Lebensmittelkontrolleure, Gäste, Berufs-kollegen aus anderen Bundesländern und damit die Eröffnung der Jahrestagung erfolgte durch Martina Pfeiffer im "Rennsteighotel Kammweg" in Neustadt/Rennsteig.

Dr. M. Gürtler, Amtsleiter im Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des gastgebenden Ilmkreis hieß die Anwesenden herzlich willkommen. Er griff das diesjährige Hauptthema „Bedarfsgegenstände“ fachlich auf und schlussfolgerte, dass die Tätigkeit der LMK eine große Breite an fachlichem Wissen fordert.
Foto Herr Dr. Gürtler

Der Abteilungsleiter Dr. Jürgen Ziegenfuß "Gesundheitlicher und Technischer Verbraucherschutz" im Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz (TLV) Bad Langensalza nutzte sein Grußwort um Schwerpunktthemen wie die vollzogene Fusionierung im TLV, den Entwurf der neuen LKonVO, die schrittweise Einführung der mobilen Datenerfassung in der Lebensmittelüberwachung anzusprechen.
Foto Herr Dr. Ziegenfuß

Einen interessanten Einstieg in die Fachreferate gestaltete Saskia Both, Lebensmittelchemikerin im Landesamt für Verbraucherschutz Saarbrücken, zur Thematik "Lebensmittelbedarfsgegenstände - Allgemeines und Aktuelles". Besonders informativ und beeindruckend waren die vielfältigen Praxisbeispiele, wie unter anderem ein mit Cadmium vergifteter Glühweinkessel oder ein nachgewiesener Stoffübergang auf Lebensmittel durch einen Fußbodenbelag. Weitere Ausführungen folgten über zahlreiche Mängel bei den Konformitätserklärungen und auf welche Inhalte besonderes Augenmerk gelegt werden muss.
Foto Frau Saskia Both

Vom Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt/ Halle referierte Volker Charné zur „neuen Lebensmittelinformationsverordnung“ und deren Zielsetzung. Nach der regelmäßigen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) ist der Maßstab für die Beurteilung von Angaben in der Lebensmittelkennzeichnung der "durchschnittlich informierte, aufmerksame und verständige Durchschnittsverbraucher". Um dem Bürokratieabbau (EU) zu genügen, müssen die Rechtsvorschriften aber noch gestrafft werden. 
Er informierte über die in den kommenden nationalen Vorschriften geregelten Festlegungen, wie die hervorzuhebende Kennzeichnung von Allergenen, die Angabe des Einfrierdatums, die Fremdwasserdeklaration et cetera.
Charné kommentierte abschließend, dass die Hersteller diese Verordnung als nicht stimmig beklagen.
Foto Herr Volker Charnè

Wie der Schulungspflicht für Lebensmittelbeschäftigte nachgekommen werden kann, 
vermittelte Jürgen Häcker, Fachberater für Lebensmittelhygiene und Arbeitssicherheit der Häcker & Partner GbR Lübeck. In seinen praxisbezogenen Darstellungen zur „Hygieneschulung per Internet - eine Alternative zur herkömmlichen Schulungsform“ wurden die Vorzüge, wie u. a. flexible Schulungszeiten oder die mögliche Kursunterbrechung dargelegt.
Wenn der Vortest bestanden wurde folgt die Fortsetzung der Schulung.
Eine aktive Erfolgskontrolle ist die Nachprüfbarkeit des Lernerfolges. 
Unternehmen können die Schulungsinhalte anpassen und betriebsspezifische Belange integrieren.
Foto Herr Jürgen Häcker 

Im Rahmen der Fachausstellung konnten sich die Teilnehmer an den Präsentationsständen der Firmen umfassend informieren und in fachspezifischen Gesprächen intensiv austauschen. 
Foto: Informationsaustausch zur Fachausstellung

Zu Beginn der Mitgliederversammlung richtete Heinrich Förtsch, Stellvertretender Vorsitzender vom LMK-Verband Bayern ein herzliches und informatives Grußwort an die Thüringer Berufskollegen. In seinen Ausführungen machte er insbesondere auf die aufwendige aber wichtige Dokumentation unserer täglichen Arbeit aufmerksam.
Fortführend legte Martina Pfeiffer über die Tätigkeiten des Vorstandes im vergangenen Berichtszeitraum Rechenschaft ab. Im Vordergrund stand dabei die arbeitsintensive Vorbereitung und erstmalige Präsentation der Homepage unseres Thüringer Landesverbandes durch Denny Weber. Mit großem Engagement und Unterstützung durch den Berufskollegen Maik Maschke (LV Sachsen) wurde die Homepage in einer ansprechenden und anwenderfreundlichen Form erstellt. Ein herzliches Dankeschön an die Beteiligten! 
Weiterführend informierte Pfeiffer über den derzeitigen Stand der LKonVO, mit den für unsere Berufsgruppe bedeutsamen Standpunkten und Zielen, sowie die geplante Überarbeitung 
unserer Satzung.
In unseren LV wurde Andreas Geyer neu aufgenommen und Roland Schmidt, Marion Gawron und Sabine Prager verabschiedet.
Ein Höhepunkt war die Ernennung von Gudrun Jaintsch zum Ehrenmitglied des Verbandes. Sie war 12 Jahre als Verbandsvorsitzende aktiv und auch als stellvertretende Bundesvorsitzende an der Vertretung der Interessen aller Lebensmittelkontrolleure beteiligt.
Über den gegenwärtigen Sachstand sowie bevorstehende Regelungen aus der BALVI - Arbeitsgruppe berichtete Katharina Ströhlein.
Es folgen aktuelle Aussagen zum Kassenbericht durch Gesa Wehner-Reiber und ein beanstandungsloses Ergebnis durch die Kassenprüfer.

Am Samstag wurde die Fortbildung mit "Aktuellen Informationen aus dem Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit (TMSFG)" fortgesetzt. Zunächst schilderte Dr. Gisbert Paar, Abteilungsleiter der Abt. Verbraucherschutz, Arbeitsschutz und Veterinärwesen beim TMSFG in einem chronologischen Abriss die Entwicklung der Veterinär- und Lebensmitteluntersuchung ab dem Jahre 1989. Informativ und zukunftsorientiert berichtete er über die weiteren Pläne der bevorstehenden Funktional- und Gebietsreform.
Fortführend referierte Dr. Karin Schindler, Referatsleiterin Lebensmittelüberwachung der Abteilung Verbraucherschutz, Arbeitsschutz und Veterinärwesen beim TMSFG über die amtliche Lebensmittelüberwachung  in Thüringen unter statistischer Darstellung der bisherigen Kontrollzahlen und daraus folgender strategischen Überlegungen.
Unter anderem wird sich die risikoorientierte Probenahme vordergründig auf Hersteller und Einführer richten. Des Weiteren stellte sie Schlussfolgerungen aus dem Gutachten des Bundesbeauftragten für Wirtschaftlichkeit in den Verwaltungen und Organisationen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes (Schwerpunkt Lebensmittel) und deren Umsetzung in Thüringen vor. Aus den Reihen der Lebensmittelkontrolleure kamen berechtigte Anfragen und Kommentare zur Thematik.
Foto Frau Dr. Schindler und Herr Dr. Paar

Höchst aktuell und absolut informativ berichtete Helmut Martell, Rechtsanwalt der Kanzlei für Lebensmittelrecht Krell Weyland Grube, Gummersbach/Brüssel zum Thema "Lebensmittelüberwachung im Fokus der Zeit". Einleitend beschrieb Martell die teilweisen Informationsrechte und -pflichten der Behörden mit dem Ziel von mehr Transparenz.   
Es folgten Ausführungen zum §40 Abs.1a LFGB und seiner aktuellen Rechtssprechung anhand von Urteilen. Außerdem bemerkte Martell, dass erhebliche Zweifel an der Verfassungskonformität von § 3 Abs. 1b des Verbraucherinformationsgesetz bestehen und mindestens eine verfassungskonforme Auslegung erforderlich ist. Von Interesse waren die Darstellungen von Transparenzrisiken und möglichen Amtshaftungsansprüchen für die Überwachung. 
Zusammenfassend resümierte Martell, das rechtlich noch erhebliche Unklarheiten bestehen aber immer eine Interessenabwägung und die Anhörung der Betroffenen erforderlich ist.
Foto Herr Helmut Martell  

Zum Abschluss der diesjährigen Verbandstagung erhielten die Mitglieder die Aufforderung, sich aktiv an der Verbandsarbeit zu beteiligen und Vorschläge für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder anlässlich der Vorstandswahl 2014 einzubringen. 

Mit einem herzlichem Dankeschön an die Kolleginnen und Kollegen des Lebensmittelüberwachungsamtes Ilmkreis für die Vorbereitung und das gute Gelingen der Veranstaltung beendete Martina Pfeiffer die Jahrestagung. 




Sylvia Elias 
Marita Laufer